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Meditation, die die Mutter als Lichtpunkt des Monats November 2014 vorschlägt.
Palermo, 31. Oktober 2014
Liebe alle,
wenn wir auf dem Weg der Heiligkeit vorankommen wollen, bleibt uns nichts anderes übrig, als die Wahl des verlassenen Jesus immer neu zu treffen, der gegenwärtig ist sowohl in den Wunden der Kirche und der heutigen Gesellschaft als auch in unseren persönlichen Grenzen und in unserer eigenen Untreue ihm gegenüber. So lautet Artikel 71 der Konstitutionen.
Wer auf dem Weg der Liebe gehen will, kann nicht anders, als sich von Maria „leben zu lassen“, die Jesus auf Golgota nicht allein gelassen hat; auch wir wollen in Gemeinschaft mit ihr keinen Anstoß nehmen an der Gegenwart Jesu in den Leiden der Kirche und der heutigen Gesellschaft. Lieben wir mit mütterlichem Herzen die Glieder des mystischen Leibes Christi, beginnend bei den am meisten Leidenden, lieben wir jene, die an den verschiedenen existenziellen „Rändern“ leben, wie Papst Franziskus uns anspornt.
Der gekreuzigte Jesus, der am Kreuz seine Verlassenheit hinausschreit, fühlt sich gleichsam vom Vater getrennt; die Einheit der Dreifaltigkeit scheint in jenem höchsten Augenblick zu zerbrechen, um uns alle, Kinder im Sohn, in das Geheimnis des dreifaltigen Lebens selbst eintreten zu lassen. Der äußerste Schmerz Jesu zeigt ihn uns völlig entleert: Am Kreuz scheint er nicht mehr Gott zu sein, es ist der „Liebestod“ des Gekreuzigten, das Nichts, das Liebe ist, weil es nicht ist, das Nichts, das Fülle ist, das Geheimnis von Tod-Leben.
In dem verlassenen Jesus ist die höchste Offenbarung der Liebe, die Gott ist; es ist das Verlassensein bis zur Erfahrung der tragischsten Nacht des Nichts, das zum vertrauensvollen Sich-Überlassen in die Hände des Vaters wird: „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist“ (vgl. Lk 23,46), wird Jesus vor seinem Tod sagen; die Erfahrung des Verlassenseins vom Vater wird so zum Sich-Überlassen an den Vater. Lassen wir uns also von ihm führen auf den Pfaden der wahren Liebe, die Hingabe seiner selbst ist bis zum Liebestod, Entleerung des eigenen Ich, um den anderen zu leben, den Nächsten, dem wir begegnen, um Jesus in uns leben zu lassen.
Solange wir nicht lernen, unseren Standpunkt, unsere Ideen, unsere auch guten Ansichten zu verlieren, um Jesus zu lieben, der im Nächsten gegenwärtig ist, dem wir begegnen, und ihn in den persönlichen und gemeinschaftlichen Leiden als gegenwärtig zu erkennen, wo sich seine Passion fortsetzt; solange wir nicht lernen, Jesus zu erkennen, der die Sünden aller und jedes Einzelnen auf sich nimmt und seine Verlassenheit in den Leiden der Kirche und der Menschheit hinausschreit; solange wir nicht ohne unnütze Überlegungen und Gedankengänge lieben, werden wir nie begreifen, was die Liebe ist: Es ist der gekreuzigte und verlassene Jesus, der sich zum „Nichts“ macht, die höchste Hingabe seiner selbst, um uns den Zugang zur Dreifaltigkeit zu öffnen.
O wunderbares Geheimnis, möge es uns geschenkt sein, es mit dem Leben zu begreifen!
Das wünsche ich mir und euch.
Ich segne euch von Herzen,
Eure Sr. Nunziella
