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„Seid heilig, denn ich, der Herr, euer Gott, bin heilig“ (Lev 19,2).
Seid sofort heilig, wartet nicht bis morgen!
Palermo, 6. September 2014
Liebe alle,
ich komme zu euch in diesem Monat September, der den Beginn des Gemeinschaftsjahres markiert und uns alle auf den Jahrestag des 8. Dezember ausgerichtet sieht, um das zwanzigjährige Bestehen des Instituts zu feiern.
Wenn ich etwas Törichtes sagen darf: Ich wünschte so sehr, wir wären schon heilig, um der Kirche und der Welt die Schöne Liebe zu verkünden, die in uns wohnt, ohne Schatten und ohne jede Falschheit; und doch entgeht mir nicht der Staub des Weges, der sich in den entlegensten Winkeln unseres Geistes und unserer Person ansammeln kann aufgrund unserer Schwächen, unserer Untreue und unserer eigenen Sünden.
Gott aber will uns heilig: „Seid heilig, denn ich bin heilig“ – er sagt uns nicht, es morgen zu sein, sondern sofort, und das ist möglich; wir werden nämlich morgen nur dann heilig sein, wenn wir es heute sind, der Tod lässt uns nur sehen, was wir schon sind. Die Heiligkeit ist von jetzt an möglich, wenn es die Heiligkeit Gottes ist, Jesu unter uns, des Heiligen unter uns, aufgenommen in uns und in unseren Gemeinschaften auf dem Nichts unser selbst, auf der Verleugnung unserer Person. Unsere Heiligkeit nämlich addiert sich nicht zu der Gottes, sie ist kein Vermögen an Tugenden und Verdiensten, eine Art Koffer voller guter Werke, den wir dem heiligen Petrus übergeben, wenn wir im Paradies ankommen. Ich habe immer gesagt, dass ich mit gefalteten und somit leeren Händen im Himmel ankommen möchte, um bei meiner Ankunft nur einen einzigen Namen auszusprechen, meinen einzigen Schatz: Maria; auf sie setze ich mein ganzes Vertrauen und auf die unermessliche Schönheit ihres Sohnes, meines Bräutigams und meines Erlösers. Ich spüre mehr denn je, dass mein Weg ein Weg der Kleinheit ist, des Sich-Überlassens in Marias Arme, der geistlichen Kindschaft. Für mich geht es nicht darum, den Berg der Vollkommenheit zu besteigen, sondern demütig in das Tal meiner Kleinheit hinabzusteigen und von dort, von Maria auf den Armen getragen, wieder zur Dreifaltigkeit emporzusteigen.
Um dieses vertrauensvolle Sich-Überlassen zu erfahren, müssen wir lernen, jeden Augenblick zu lieben und in allem den Willen Gottes zu tun, den wir ausgehend von der Beziehung zu Gott und zu dem, der vor uns steht, suchen und lieben, niemals von uns selbst aus. Der Wille Gottes ist keine Summe moralischer Gesetze, die vollkommen zu erfüllen wären; die Schöne Liebe ist kein Kodex von Formen und Verhaltensweisen, die in jeder Situation sklavisch zu wiederholen wären, sie ist vielmehr eine Musik, eine Symphonie, die sich in jedem Augenblick mit dem Wandel unseres Lebens in seinen wechselnden Umständen verändert.
An uns ist es, auf die Stimme Gottes zu achten, die durch das Gewissen und durch unseren Nächsten zu uns spricht. Verschließen wir nie das Herz, erinnern wir uns, dass alles, was von uns verlangt wird, darin besteht, in jedem Augenblick zu lieben, immer neu zu beginnen, die Liebe, die Gott ist, in uns aufzunehmen und uns selbst zu verleugnen zu wissen, angefangen bei unserer menschlichen und persönlichen Art zu lieben, die oft so eigenwillig und den Situationen und Bedürfnissen der anderen so wenig angemessen ist.
Erinnern wir uns, dass wir morgen heilig sein werden, wenn wir es jetzt sind, indem wir die Liebe, die Gott ist, in uns aufnehmen, auf dem Nichts unser selbst. Um zu lieben, um die Liebe, die Gott ist, den Heiligen unter uns, in uns aufzunehmen, haben wir nur den gegenwärtigen Augenblick; wenn wir jetzt heilig sind, das heißt „Haus“ Gottes und Jesu unter uns, werden wir auch morgen heilig sein.
Ich möchte also, dass uns der 8. Dezember so antrifft, in dieser Haltung, schon „heilig“; um dahin zu kommen, wollen wir uns schon jetzt darin üben, heilig zu sein, indem wir uns selbst vergessen und auf Gott in uns und in den anderen schauen, auf den Heiligen unter uns: Jesus, der uns eins macht.
Die DVD, die ich euch geschickt habe, wird euch helfen, euch in diesen Wettlauf zur Heiligkeit einzuordnen, indem sie euch die Geschichte unserer Ursprünge noch einmal durchlaufen lässt, mit der gewiss eine Gnade der Weitergabe des inspirierenden Funkens unseres Lebens verbunden ist. Wir müssen immer zu den Zeiten zurückkehren, in denen wir erleuchtet wurden; die Geschichte der Gründung kann vielen, ganz vielen Herzen helfen, sich der Schönen Liebe zu öffnen, wenn wir sie als „unsere“ Geschichte erzählen können, zur Ehre Gottes und zum Wohl der Kirche und der Menschheit.
Eure
Sr. Nunziella
